• Axel Moehrle

INDUSTRIEROMANTIK

Es ist das späte 19. Jahrhundert: Eine der größten gesellschaftlichen Veränderungen bahnt sich an, und sie kommt nicht von der Politik, von Regenten oder Parlamenten. Es sind einzelne Ingenieure, die auf sich selbst gestellt einzelne Elemente entwickeln dessen, was wenig später als europäische Industrialisierung die Welt verändert.




James Watts Dampfmaschine, Robert Stephensons Lokomotive: Die staunende Gesellschaft diskutiert, ob sich Räder aus Eisen auf eisernen Schienen überhaupt drehen können, ja ob die hohe Geschwindigkeit von 15km/h den Menschen überhaupt noch erlaubt, normal zu atmen oder ob sie dem Erstickungstod geweiht sind.




Während sich die rauchenden Schlote in immer größerer Zahl erheben und materielle Verbesserungen und Wohlstand zwar entstehen, aber keineswegs allen Menschen zugänglich sind, erfasst die Menschen gleichzeitig der Wunsch, sich den unaufhaltsamen Veränderungen entgegenzustellen, etwas zu bewahren von der „guten alten Zeit“, von der Schönheit der Natur und von einer Welt, in der nicht nur materielle Errungenschaften zählen:


Selbst das Fabrikgebäude hat Buntglasfenster.






Werkshallen werden von Säulen getragen – gusseisern zwar, aber trotzdem dorisch oder ionisch wie alte griechische Tempel. Stolz erhebt sich die Fabrikantenvilla: Zwar innen mit romantischen floralen Jugendstil-Fresken, aber bitte in unmittelbarer Nähe zum Werk, dessen Geschäftsführer man ist.



Heute, 150 Jahre später, ist durch den sich entwickelnden Sozialstaat wenigstens auch ein Teil des Wohlstandes „unten“ angekommen. Wir wissen, dass die Kehrseite der Industrialisierung im 19. Jahrhundert elende Lebensumstände für die Arbeiter war. Trotzdem schauen wir uns die Industriedenkmäler an und vergleichen in Gedanken mit den heutigen Schuhkartons, die uns als „Internationaler Stil“ angepriesen werden: Muss das heute so öde und hässlich sein?....




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